Verlorene Träume – Band 3 der Windham-Reihe

Verlorene TräumeEin unheimlicher Spuk in Donovan Castle droht für Rose Weston, die nach einem Gedächtnisverlust für eine einfache Magd gehalten wird, zur tödlichen Gefahr zu werden.

Bei der Suche nach ihrer Erinnerung und ihren verlorenen Träumen erwachen nie gekannte Gefühle in ihr, denn nur Alexander Hatfield, der gefürchtete Söldner des Königs, scheint in der Lage zu sein, Rose zu beschützen und das Rätsel um Donovan Castle aufzuklären.

Doch Alex’ Dienste haben ihren Preis …

Novelle, ca. 160 Seiten. „Verlorene Träume“ ist der dritte Band der „Windham-Reihe“.

 

 

 

 

 

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Kapitel 6

Rose stocherte in den schwach glimmenden Spänen herum. Die größeren Holzscheite konnte sie erst auflegen, sobald eine satte Flamme zu sehen war, aber der dünne Rauchfaden, der dem Reisig entstieg, sah wenig Erfolg versprechend aus.

„Verflucht!“, murmelte sie und pustete vorsichtig in den Kamin. Der Rauch brannte ihr in den Augen, und Ruß wirbelte ihr entgegen, aber endlich flammte es unter den Spänen auf. Schnell griff sie sich das erste Scheit.

„Au!“

Sie ließ das Holzstück in den Kamin fallen, riss den Arm zurück und sah auf ihre Hand. Ein Splitter steckte in ihrer Fingerspitze, und Rose biss wütend die Zähne zusammen. Zu allem Ärger war nun auch noch die kleine Flamme durch das fallen gelassene Scheit erstickt.

„Himmel, Rose! Was ist mit dem Feuer?“

Lorna sah ängstlich zur Tür, und es war klar, dass sie nichts lieber täte, als endlich die Gemächer des Bluthundes zu verlassen. Sie legte keinen Wert darauf, ihrem Dienstherren erneut gegenüberzutreten. In größter Hast hatte sie Eimer für Eimer den kupfernen Badezuber gefüllt und eilte nun mit nasser Schürze und verschwitzten Locken an Roses Seite.

„Warum brennt es noch nicht? Was hast du mit den großen Scheiten vor?“ Sie warf einen missbilligenden Blick auf Roses qualmendes Werk.

„Was weiß denn ich“, verteidigte sich Rose mürrisch. Sie hatte den Finger zwischen ihren Lippen und saugte an dem Splitter. „Ich habe das eben noch nie gemacht!“

Lorna stemmte ihre Fäuste in die Hüften und sah ungläubig auf Rose hinab.

„Du hast noch nie Feuer gemacht? Vielleicht hast du es – wie deinen Namen – nur vergessen? Und nun sieh endlich zu, dass du fertig wirst. Lord Hatfield wird sicher nicht mehr lange auf sich warten lassen“, prophezeite Lorna und eilte zur Tür.

„Warte!“, rief Rose.

„Nein, nein, ich mach, dass ich fortkomme.“

Verwirrt blieb Rose zurück. Vergessen war das Feuer im Kamin oder ihre Aufgabe. Sie ballte die Hände zu Fäusten, um den Gedanken – diese flüchtige Erinnerung – festzuhalten.

Ich habe das noch nie gemacht!

Das war keine Ausrede. Und es war nicht so, wie mit ihrem Namen. Sie hatte gewusst, dass da ein Name war, der zu ihr gehörte – hatte ihn nur nicht gefunden. Mit dem Feuer war es anders. Sie wusste, wie man einen Kamin anschürte – hatte es aber noch nie selbst gemacht, davon war sie überzeugt.

„Was tust du noch hier?“

Rose zuckte zusammen. Im Türrahmen stand der Bluthund. Alexander Hatfield, korrigierte sie sich. Zum Glück hatte sie Lorna noch nach dem richtigen Namen ihres Dienstherrn gefragt, auch wenn anzunehmen war, dass Lorna immer nur vom Bluthund sprechen würde.

Rose erhob sich langsam und versank in einen Knicks, während sie fieberhaft überlegte, was Lorna wohl jetzt tun würde. Nun, Lorna wäre vermutlich nicht hier, denn sie hätte das Feuer längst anbekommen. Sie sah verschämt auf den Kamin und stammelte:

„Ich, ich … das Feuer, Mylord, es …“

Er trat ein.

Rose war unsicher. Wenn sie doch nur sein Gesicht sehen könnte, dann wüsste sie, ob er wütend über ihre Anwesenheit war. Aber in dem schwachen Lichtschein der einzelnen Kerze, die Lorna neben dem Bett entzündet hatte, war keine Regung erkennbar.

„Solltest du nicht längst bei dem anderen Gesinde in der Halle sitzen?“, überging er ihr Gestotter und entzündete einen Leuchter an der Wand.

„Das Feuer …“

„Wie ist dein Name?“, fragte er, ohne sie anzusehen. Ein weiterer Leuchter erhellte den Raum, aber da Lord Hatfield, von ihr abgewandt, die silbernen Hauben von den Tellern nahm, die ihm Griffin zuvor bereitgestellt hatte, erhaschte Rose weiterhin nur einen Blick auf seinen Rücken.

Ein beeindruckender Rücken, wie sie ja schon bemerkt hatte.

„Ich bin Rose. Soll ich gehen, Mylord?“

Er drehte sich um. Seine Bewegung war langsam, so, als sei er sich nicht sicher, ob er es tun sollte. Sein Brustharnisch war aufgeschnürt, das Hemd darunter geöffnet und aus der Hose gezogen. Vom Bauchnabel abwärts verlief ein Streifen hellen Haares, welcher im Bund seiner Hose verschwand. Schnell zwang sich Rose, den Blick auf sein Gesicht zu richten, denn sie spürte das Blut, welches ihr in die Wangen schoss, die Hitze, die plötzlich von ihr Besitz ergriff. Ihm konnte nicht entgangen sein, wie sie ihn angestarrt hatte, und tatsächlich sah er erheitert aus. Seine Lippen kräuselten sich zu einem amüsierten Lächeln.

„Gehen?“, fragte er und kam näher. Unter gesenkten Lidern musterte er sie. „Nein, Rose. Ich will, dass du bleibst.“

Diese Stimme schien alles in Rose zum Vibrieren zu bringen. Ihr Puls raste, und seine Nähe verwirrte sie mehr, als er der Gedächtnisverlust es tat. Er griff nach ihrer Hand.

„Mylord, was …?“, fragte Rose atemlos, denn ihr wollten keine sinnvollen Worte einfallen. Die Kopfverletzung musste wirklich einigen Schaden angerichtet haben, überlegte sie.

„Du solltest bleiben, Rose. Wolltest du nicht gerade … ein Feuer entfachen? Bist du nicht hier, um die Glut zu schüren, bis die Flammen mit ihrer Hitze alles verzehren?“

Sein Finger fuhr über ihre Hand, streichelte sie. Langsam hob er sie an seine Lippen.

Rose keuchte. Seine Worte machten sie betrunken. Wie konnte ein Gespräch über ihre Aufgabe sie derart verwirren? Sie schloss die Augen, denn der Anblick seiner nackten Brust löste ein unbekanntes Sehnen in ihrem Unterleib aus. Seine Worte setzten sie in Brand, sodass sie es nun für ein Kinderspiel hielt, den Kamin anzufachen.

„Tut mir leid, Mylord. Ich habe noch nie Feuer gemacht“, versuchte sie, sich auf ihr Problem zu besinnen, aber Lord Hatfields tiefes Lachen riss sie gleich wieder in einen Strudel unerklärlicher Gefühle. Es füllte sie mit Wärme, wie es sonst nur die Sonne vermochte.

„Oh Rose, du kannst dir nicht vorstellen, wie gerne ich dir zeigen würde, wie man ein ordentliches Feuer entfacht.“ Er sah ihr in die Augen, und Rose war verloren. Im Licht der Leuchter funkelte der Bernstein seiner Augen, und das sichere Gefühl, welches dies auslöste, ließ ihr Herz schneller schlagen. Was auch immer mit ihrer Welt passiert sein mochte, welche Erinnerungen ihr fehlten und welche Träume sie verloren hatte, sie war angekommen. Sie war dort, wo sie sein sollte.

Er nahm ihren verletzten Finger zwischen seine Lippen und saugte daran. Roses Knie gaben nach, und mühelos zog Alex sie in seine Arme. Er trug sie zum Tisch und setzte sie vor die gefüllten Teller, dann bedeutete er ihr, sich zu bedienen. Erst dann gab er ihren Finger frei und lächelte. Ein Tropfen Blut quoll aus der kleinen Stelle, wo zuvor der Holzsplitter gesteckt hatte.

„Ich könnte es dich lehren, Rose“, schlug er vor, und sein Blick schien sie zu verzehren. Lorna hatte recht. Dieser Mann war gefährlich. Sie musste dringend Distanz gewinnen.

„Oder …“, Rose schluckte den Kloß in ihrer Kehle hinunter und ermahnte sich selbst zur Ruhe. „… oder Ihr bittet morgen ein anderes der Mädchen, Euer Feuer zu entfachen.“

„Sie fürchten mich“, verneinte er mit einem bedauernden Kopfschütteln ihren Vorschlag.

„Ich fürchte Euch ebenfalls“, behauptete Rose, auch wenn sie in Wahrheit nur die Gefühle fürchtete, die er in ihr wachrief

Alex lachte und durchquerte den Raum. Er testete die Temperatur des Badewassers und verzog bedauernd das Gesicht.

„Wegen dir ist mein Kamin kalt und mein Wasser ebenfalls. Du solltest also lieber schnell essen, denn, wenn ich frierend aus der Wanne steige, könnte ich ansonsten geneigt sein, mir von dir zumindest das Bett wärmen zu lassen.“

Mit diesen Worten streifte er sein Hemd ab und öffnete ungeniert seine Hose.

Rose sprang so schnell auf, dass sie den Kelch mit Wein umstieß.

„Ihr müsst verrückt sein, wenn Ihr denkt, ein warmes Essen wäre ein annehmbarer Preis für die Ungeheuerlichkeit, die Ihr hier vorschlagt.“

Alex ließ die Hose zu Boden gleiten, und Rose konnte nicht umhin, sein geschwollenes Glied zu bestaunen. Himmel!, sie war puterrot, als sie sich von diesem eindrucksvollen Anblick losriss und sich seinem diabolischen Grinsen stellte.

„Was wäre denn ein annehmbarer Preis für diese … Ungeheuerlichkeit?“, fragte er.

„Das, Mylord, muss nicht Eure Sorge sein, denn Ihr könnt es Euch ohnehin nicht leisten!“

Damit rannte Rose aus dem Raum, und das gutgelaunte Lachen, das ihr folgte, war bedrohlicher für sie, als jeder Spuk, den dieses Castle bereithalten mochte.