Emilys Blog

Über den „Indie-Autoren-Status“

Als ich mein erstes Buch „Gefährliche Intrigen“ bei Amazon KPD hochgeladen hatte, war ich mächtig stolz, so weit gekommen zu sein. Die ersten Bücher waren schnell verkauft, und mit jedem weiteren wuchs in mir ein Gefühl, das sagt: „Ja, das ist es. Jetzt bist du Autorin.“

War das so? In meinem Freundeskreis wurde ich anfangs nur belächelt, Kommentare wie „Oh, Duuuu hast ein Buch geschrieben???“ blieben natürlich nicht aus. Von meinem Ehrgeiz gepackt, legte ich mir eine Homepage und einen Twitter-Account zu – und – hatte ernsthafte Probleme, das Wort „Autorin“ zu verwenden. Warum? Nun, eine Autorin muss einen Verlag haben. Muss etliche Bücher geschrieben haben. Und natürlich mit ihrem Erstlingswerk einen Top-Seller geschrieben haben. Dann ist sie eine Autorin. Oder etwa nicht?

Nein, wohl nicht. Es gibt wohl etliche „große“ und super-erfolgreiche Autoren, die VOR ihrem Buch-Erfolg Nobodies waren. Stephenie Meyer, deren Twillight-Script niemand lesen wollte, J.K. Rowling, deren „Harry“ Absage für Absage bekam … Wann wurden sie zu Autorinnen? Als sie zu schreiben begannen? Als ihre Bücher in einem Verlag erschienen? Ich weiß es nicht! Aber: Nach diesem Gedankengang entschloss ich mich dazu, auch „Autorin“ zu sein. Denn ich schreibe, veröffentliche und verkaufe meine Bücher.

Allerdings ohne die Hilfe eines Verlags – und jetzt kommt´s: Damit bin ich keine „Autorin“, sondern eine „Indie-Autorin“, also eigentlich „unabhängig“. Leider aber bekommt der Begriff „Indie“ mehr und mehr einen negativen Beigeschmack. Aktuell wird viel in verschiedenen Foren und Blogs über das Pro & Kontra der „Indies“ diskutiert, und dabei fallen von der „Kontra-Seite“ häufig äußerst unschöne Worte – „ePubber“ ist eines der eher harmlosen davon. Ob ich über diese Diskussionen wütend oder traurig sein soll? Ich weiß es nicht.

Die Frage, die sich mir stellt: Hat die Buchbranche Angst vor den Indies? Vorwürfe über schlechte Qualität der Texte, Formatfehler, fehlendes Lektorat mögen für das eine oder andere Indie-Werk zutreffen – aber doch nicht für ALLE!?! Und wenn man bedenkt, dass gerade der eBook-Markt völlig neue Möglichkeiten im Bereich des Lesens – z.B. das Herunterladen einer ausführlichen Leseprobe zum „Testen“ des Textes – bietet, hat doch der Leser / potenzielle Käufer selbst die Wahl, ob er diesen Text dann kauft, oder eben nicht. Denn was nicht vergessen werden darf – der Autor schreibt für den Leser, und dieser will unterhalten werden! Wenn ihn die Leseprobe überzeugt hat, dürfte es ihm egal sein, ob der Autor „Indie“ ist oder nicht.

Deswegen: Lasst uns schreiben! Wenn die Texte und Bücher der Indies schlecht sind, werden sie NICHT gekauft. Wenn Bücher oder eBooks von großen Verlagen schlecht sind, geht es denen genauso! Also tun wir doch das, was der Leser möchte: gute und unterhaltsame Texte schreiben und veröffentlichen, statt sich in endlosen und nutzlosen Diskussionen zu streiten. Und, nur so am Rande: Seht euch das Ranking im Kindle-Shop genau an – in vielen Kategorien mischen neben mir die Indie-Autoren kräftig mit – zum Beispiel scheint David Gray mit seinem Roman Wolfswechsel auf Platz 1 in der Kategorie „Historische Romane“ regelrecht festgenagelt zu sein – und David ist Indie!

  1. Peter MarnetPeter Marnet09-02-2011

    Für das Veröffentlichen ist tatsächlich kein Verlag nötig. Das Fehlen eines Lektorates macht sich aber schon bemerkbar. Schlichtweg analphabete Versuche schaden uns in der Gesamtheit sehr. Weil jeder alles hochladen kann, ist eine Auslese per se nicht möglich.

    • Emily BoldEmily Bold09-02-2011

      Hallo Peter, danke für deinen Kommentar.

      Nicht alle Indies verzichten auf ein Lektorat. Ich habe mir das einiges kosten lassen, denke aber auch, dass dies für mich als Fränkin absolut notwendig war 😉 ! Und trotzdem hat sich ärgerlicherweise der eine oder andere Fehlerteufel eingeschlichen. Ein Lektorat halte auch ich für unabdingbar. Die Auslese wird künftig in anderer Instanz getroffen, nämlich direkt beim Leser. Und glaube mir: Analphabetische Versuche werden sich direkt in den Rezensionen und in den Verkaufsrängen widerspiegeln.

      Liebe Grüße, Emily

    • N. L.N. L.09-02-2011

      Da kann ich nur anmerken, dass ein Lektorat nicht immer gleich einem Lektorat ist und es auch hier qualitativ enorme Unterschiede gibt.
      Und Indie-Autor zu sein (ich persönlich mag das Wort übrigens sehr gerne) heißt nicht immer auch gleichzeitig, linguistisch weniger ausgereift zu schreiben, wie es die „großen“ Autoren tun. ich beschäftige mich auch im Rahmen meines Studiums seit einiger Zeit ein wenig mit der deutschen Syntax und muss sagen, dass auch das, was mein in lektorierten Büchern großer Verlage und bekannter Autoren vorgesetzt bekommt, ist nicht immer auch gutes und verständliches Deutsch.
      Einer meiner liebsten Autoren, Wolfgang Hohlbein enttäuschte mich erst vor kurzem mit einer teilweise ganz abstrusen Wortwahl und einem mindestens genauso fürchterlichem Satzbau, so dass ich mich wirklich fragen musste, ob das Lektorenteam zum Zeitpunkt des Lektorats wohl unter einem sehr schlchtem Einfluss gestanden haben könnte.
      Und allgemein finden sich eben auch in Verlags-Büchern teilweise schon kriminell viele Fehler, was mir nur zeigt, dass auch die Autoren solcher Bücher die syntaktisch und orthographisch korrekte Gegenwartssprache nicht für sich gepachtet haben.
      Deswegen ist ein Lektorat auch meiner Meinung nach unabdingbar und das letzte worauf ein Autor verzichten sollte. Doch sehe ich e-books nicht nur als Chance für junge Autoren, sondern auch als Chance für die Leser, die dadurch eine wesentIch größere Vielfalt an Literatur geboten bekommen und diese ja durch die Leseproben vorher auch gezielt testen können.
      Zum Schluss möchte ich noch anmerken, dass ich es äußerst schade finde, dass viele Bücher sehr ähnlich klingen, das heißt ein individueller Schreibstil des Autors und nicht immer erkennbar, eine Tatsache, die ich persönlich jetzt übereifrigen Lektoren ankreide, aber ds ist wirklich nur meine eigene Meinung.
      Also, traut euch Indies, das Internet ist eure Bühne und liebe Leser, keine Angst, traut euch mal auf unbekanntes Terrain, und schaut euch die ein oder andere Leseprobe eines Verlagsunabhängigen Autors an, auch viele von ihnen nutzen Lektoren und der „Mist“ wird über kurz oder lang ausgesiebt, dessen bin ich mir sicher!
      Traut euch was zu, ihr seid die Innovation!

  2. ebookleser01ebookleser0109-07-2011

    Sehe das genauso. Ich kann mir doch jederzeit eine ausführliche Leseprobe auf meinen Reader oder Tablet laden – gefällts, wird gekauft, ob Indie oder nicht. Schreibt also weiter, liebe Indieautoren!

  3. Klaus P.Klaus P.09-16-2011

    Als Leser von Büchern bekommt man diesen „Zwist“ zwischen den Verlagsautoren und den Indies nicht mit (zumindest ich nicht). Ich lese seit einiger Zeit viel „digital“ mit einem Tablet, und kaufe meine Ebooks überwiegend bei Amazon. Beim Kauf habe ich bis jetzt nicht darauf geachtet, ob hinter dem Autor ein Verlag steht. Allerdings habe ich VOR dem Kauf immer erst eine Leseprobe angefordert, und mich erts dann entschieden – damit kann eigentlich nichts schiefgehen 🙂

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